Mid Century Glasvasen – Designklassiker der 50er und 60er Jahre
Markus PirothTeilen
Glas gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zu den vielseitigen Materialien des modernen Designs. Vasen boten Gestaltern und Glashütten die Möglichkeit, mit Farbe, Transparenz, Oberfläche und ungewöhnlichen Formen zu experimentieren. Viele dieser Entwürfe wirken auch heute erstaunlich modern.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im skandinavischen Glasdesign. In Schweden arbeiteten traditionsreiche Glashütten eng mit Künstlern und Designern zusammen. Bei Orrefors prägten unter anderem Ingeborg Lundin, Nils Landberg und Gunnar Cyrén die Nachkriegsjahrzehnte. Auch Boda wurde zu einem wichtigen Ort für modernes Glasdesign. Erik Höglund arbeitete dort ab den frühen 1950er Jahren mit kräftigen, teilweise bewusst rustikalen Formen.
Neben der Form spielt die Farbe eine zentrale Rolle. Kobaltblau, Grün, Rauchgrau oder Bernstein können einem Glasobjekt eine vollkommen andere Wirkung geben. Transparentes Glas reagiert zudem auf seine Umgebung: Licht, Wandfarbe und benachbarte Objekte verändern den Eindruck einer Vase je nach Standort.
Auch die Herstellungstechnik kann Teil der Gestaltung sein. Eingeschlossene Farben, unterschiedlich starke Glaswände, Blasen oder bearbeitete Oberflächen erzeugen Tiefe und Struktur. Solche Merkmale sollten jedoch nicht automatisch als Hinweis auf einen bestimmten Hersteller oder Designer verstanden werden.
Wer eine ältere Glasvase bestimmen möchte, sollte deshalb mehrere Merkmale betrachten. Form, Farbe und Verarbeitung liefern erste Hinweise. Aussagekräftiger werden sie zusammen mit Signaturen, Etiketten, Modellnummern oder anderen Kennzeichnungen. Fehlen solche Nachweise, ist bei einer konkreten Zuordnung Zurückhaltung sinnvoll.
Gerade diese Vielfalt macht Glasvasen der 50er und 60er Jahre interessant. Auf einem Sideboard oder Regal kann bereits eine einzelne farbige Vase einen starken Akzent setzen. Mehrere unterschiedliche Höhen und Formen ergeben eine kleine Gruppe, bei der Licht und Farbe miteinander spielen – und zeigen, wie selbstverständlich sich älteres Glasdesign mit heutigen Einrichtungen verbinden lässt.